![]() | ![]() | ||||||||||||||||||||||
![]() | |||||||||||||||||||||||
Leitgedanken zur Männer-Gruppen-Arbeit von Roger Marquardt Die heutigen Lebensbedingungen sind geprägt von raschem Wandel und unüberschaubarer Vielfalt. Vielen Menschen fällt es schwer, die erlebte Welt noch als einheitliche Welt zu empfinden und als eine Welt, auf die das Individuum gestaltend Einfluss nehmen kann. Viele Menschen erleben Gefühle von Unsicherheit und Bedrohung, von Macht- und Hilflosigkeit, in privater, sozialer, wirtschaftlicher oder politischer Hinsicht. Fragen zu Lebenssinn und Lebenswert, Beziehungs- und Identitätsprobleme, Bedrückung, Stress und Angst sind weit verbreitet. Untaugliche Lösungsversuche, um sich vorübergehend wieder mächtig und ganz zu fühlen, sind z.B. Sucht, Grenzverletzung und Gewalt. Der gesellschaftliche Wandel und ein verändertes Rollenverständnis von Mann und Frau betrifft und trifft auch uns Männer. Wir stehen vor der Aufgabe, Antworten auf die sich rasch ändernden Lebensbedingungen zu finden. Dabei schlägt uns eine Welle von Zuschreibungen, Vorurteilen und Vorwürfen entgegen - Vorstellungen darüber, wie Männer sein sollten oder nicht sein sollten. Auf solche Vorstellungen und Wertmassstäbe können wir nun auf vielfältige Art und Weise re-agieren: mit Anpassung oder Widerstand, als Softie oder Macho, als 'neuer Mann' oder 'Revanchist' usw. Wir können uns aber auch auf den Weg machen, ... unsere eigene, ganz persönliche Lebensgeschichte zu erforschen und unsere Identität als Mann zu beleuchten: uns selbst, unser So-Sein und unserer So-Gewordensein als Mann im Lebensganzen besser verstehen zu lernen ... unsere Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit zu verbessern: unsere Bedürfnisse, Wünsche, Hoffnungen und Befürchtungen besser erkennen und aussprechen zu können ... unser Erleben und Verhalten zu hinterfragen, neue Verhaltensmöglichkeiten zu entdecken und zu erproben ... in Männergruppen, in Kontakt und Begegnung mit anderen Männern, kritisch-wohlwollende Solidarität zu erfahren, Eigenes und Gemeinsames, Verbindendes und Trennendes zu entdecken. Das Ziel, dem wir in dieser Arbeit näherkommen wollen, ist die Sensibilisierung und Entwicklung emanzipierter männlicher Identität, die Herausbildung einer klaren Haltung im Leben, das Erlangen persönlicher Souveränität und Selbstsicherheit als Mann in der Gesellschaft - jenseits von Abhängigkeit, Unterdrückung oder Gewalt. Basel, im Januar 2006
Literaturbezüge Walter Hollstein: Interview im Basler Doppelstab, 1996 Ueli Pfäffli (1947-2000): Ausschreibung Männergruppe, 1997 H.W. Schuch: Grundzüge eines Konzeptes und Modells 'Integrativer Psychotherapie', 2000
| |||||||||||||||||||||||